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Die Schattenseiten eines sonst recht komfortablen Leben in China kulmulieren sporadisch in einem “Bad China Day”. Meine Büro-Kollegin Anita hatte gestern einen. Sie sagt, jeder, der hier wohnt, hat mindestens einmal im Monat einen BCD. Ein Bad-China-Day ist eine Verstimmung mit einer Portion bayerischen Grant. Oft stellt er sich nach einem Taiwan- oder Hongkong-Besuch ein. (Die Menschen dort haben weder die Kulturrevolution noch die Wahnsinnswirtschaftsaufschwung der letzten Jahre mitgemacht. Sie sind vielleicht deshalb höflicher, zuvorkommender und rotzen nicht rum wie oft auf dem Festland.)

Heute mittag saß ich mit einem Chinesen am Tisch, der zunächst seine Suppe mit einem für seinen Tischnachbarn nicht zu überhörenden Schlürfgeräusch austrank, anschließend spuckte er in die Schüssel, und schneuzte sich in die Serviette.

Folgende Anlässe können zu einem Bad-China-Day führen:

Eine Omi rotzt einem vor die Füße.

Zuviel in Rosa gekleidete Mädchen.

Überhaupt zuviel Rosa im Alltag.

Hygienische Standards. Menschen, die überall rauchen (z.B. im Lift)

Rempler in der Ubahn.

Menschen, die in ihr Handy brüllen.

Leute, die Müll in der U-Bahn liegen lassen.

Vollkommener Verzicht auf Höflichkeitsfloskeln in Alltagssituationen (kein “danke”, “bitte”, “Auf Wiedersehen”)

Regen, Hochhäuser, Beton, Beton, Beton…

Einzige Möglichkeit, einen Bad-China-Day zu kurieren: Aussitzen. Geht wieder vorbei.

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Gestern war ich in einem Hotel in Shenzhen. Das “Paradise” ist in seiner Art sehr typisch für chinesische Business-Hotels: Pompös und riesig! Güldene Säulenhallen! Ein “Chess Room”! (War geschlossen.) Ein Riesen-Swimmingpool! (War auch geschlossen.) Ein “Western Restaurant” mit Ledersesseln zum stilvollen Rumfläzen! (War immer leer.) Ein halbes Dutzend devoter Angestellter! (Starrten zu fünft auf meine Zimmerreservierung und kannten sich nicht aus.) Ein Frühstücksbuffet gigantischen Ausmaßes!

Beim Frühstück aber liegt das Hauptproblem.

Chinesen ernähren sich immer sehr ausgewogen. Jede Mahlzeit besteht aus einer gesunden Mischung aus Kohlenhydraten, Fett und Eiweiß. Das chinesische Frühstück unterscheidet sich deswegen nur marginal von den anderen Hauptmahlzeiten. Kaffee gehört dazu in den allerseltensten Fällen.

Ich bin jetzt 33. In diesem Alter beginnen Menschen, Gewohnheiten zu entwickeln. Ich mag morgens Kaffee und schnell verbrennende Kohlenhydrate. Ich will Zucker, verdammt!

Ich mag nicht vor 11 Uhr:

- In Sojasauce gebratene Nudeln mit Knoblauch

- Schleimi-Reissuppe

- Auberginenglibber mit Chili

- gedämpfte Erdnüsse

- gebratenen Speck (ohne Eier)

- weiße Würste

Chinesen schon. Zum Verfeinern der Mahlzeit stehen noch Erdüsse, Chili und eingelegte Zwiebeln bereit. Musikalisch untermalt wird das Mahl mit Beethovens “Für Elise” (Und ach ja wie passend: auf Bild 2 erkennt man ein Gemälde mit Napoleon)

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Der Mann auf dem Bild ist der “Pang Laoshi”. Das bedeutet auf Deutsch “fetter Lehrer”. Ich habe ihn gestern auf dem Rückweg vom Boxen in der U-Bahn kennengelernt. Gesehen habe ich ihn schon öfter. Der fette Lehrer nämlich ist den ganzen Tag in der U-Bahn unterwegs und brabbelt irgendwelche Sachen vor sich hin. So eine Art Urban Freak, wie es sie halt in allen U-Bahnen großer Städte gibt.
Gestern aber hat mich der Pang Laoshi angesprochen. Zuerst auf Englisch. Sein Englisch ist hervorragend, was für Chinesen seines Alters sehr unüblich ist. Als ich ihm dann gesagt habe, dass ich aus Deutschland komme, hat er plötzlich angefangen auf Deutsch mit mir zu sprechen. Dafür, dass er noch nie in Deutschland war, war sein Deutsch ebenso herausragend.
Nach eigenen Angaben kann der dicke Lehrer auch noch Französisch, Japanisch, Spanisch und noch ein paar andere Sprachen, die ich vergessen habe. Es waren auf jeden Fall eine ganze Menge. Seine Geschichte aber ist traurig. Er behauptet, seine Eltern hätten bei Baosteel, einem chinesischen Stahlriesen gearbeitet. Aus irgendwelchen Gründen seien sie ermordet worden. Die Mörder seiner Eltern seien auch hinter ihm her. Deshalb, so der Pang Laoshi, kämpfe er gegen Korruption und für die Demokratie - in der Ubahn von Shanghai. Damit ihm nichts passiere, brauche er ganz viel Aufmerksamkeit ausländischer Medien. Das würde ihn schützen, so ähnlich wie Ai Weiwei.
Ich als Journalist müsse unbedingt über ihn schreiben, damit er berühmt werde. Was ich hiermit getan habe.

Alles Gute, dicker Lehrer!

Der Mann auf dem Bild ist der “Pang Laoshi”. Das bedeutet auf Deutsch “fetter Lehrer”. Ich habe ihn gestern auf dem Rückweg vom Boxen in der U-Bahn kennengelernt. Gesehen habe ich ihn schon öfter. Der fette Lehrer nämlich ist den ganzen Tag in der U-Bahn unterwegs und brabbelt irgendwelche Sachen vor sich hin. So eine Art Urban Freak, wie es sie halt in allen U-Bahnen großer Städte gibt.

Gestern aber hat mich der Pang Laoshi angesprochen. Zuerst auf Englisch. Sein Englisch ist hervorragend, was für Chinesen seines Alters sehr unüblich ist. Als ich ihm dann gesagt habe, dass ich aus Deutschland komme, hat er plötzlich angefangen auf Deutsch mit mir zu sprechen. Dafür, dass er noch nie in Deutschland war, war sein Deutsch ebenso herausragend.

Nach eigenen Angaben kann der dicke Lehrer auch noch Französisch, Japanisch, Spanisch und noch ein paar andere Sprachen, die ich vergessen habe. Es waren auf jeden Fall eine ganze Menge. Seine Geschichte aber ist traurig. Er behauptet, seine Eltern hätten bei Baosteel, einem chinesischen Stahlriesen gearbeitet. Aus irgendwelchen Gründen seien sie ermordet worden. Die Mörder seiner Eltern seien auch hinter ihm her. Deshalb, so der Pang Laoshi, kämpfe er gegen Korruption und für die Demokratie - in der Ubahn von Shanghai. Damit ihm nichts passiere, brauche er ganz viel Aufmerksamkeit ausländischer Medien. Das würde ihn schützen, so ähnlich wie Ai Weiwei.

Ich als Journalist müsse unbedingt über ihn schreiben, damit er berühmt werde. Was ich hiermit getan habe.

Alles Gute, dicker Lehrer!

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Bohème Laowai

“Shanghai ist das Leben selbst. Man kann sich nichts Intensiveres vorstellen.” Das schrieb der Schriftsteller Aldous Huxley in den 30ern über die Stadt.

Heute verstopfen die Audis und S-Klasse-Wagen reicher Chinesen die Straßen. Glasfassaden glitzern und Expats essen Schnitzel im Paulaner für 22 Euro. Und was ist mit der Bohème? Es gibt sie wieder - nur ein bisschen anders als in den Dreißigern.

Was Lost Laowais in Shanghai so machen, habe ich letzte Woche für die NZZ am Sonntag aufgeschrieben. Die Fotos hat Jonathan Browning gemacht, nur leider tauchen die in der Online-Version nicht auf.

Video

Zwischen 80000 und 100000 Ausländer leben in Shanghai (die Angaben schwanken). Von den Chinesen werden sie “Laowai” genannt, das bedeutet so viel wie “alter oder ehrwürdiger Fremder”. Die meisten Laowais sind Amerikaner, Franzosen, Deutsche und Engländer. Das Gros wird natürlich von internationalen Firmen mit einem dicken Expat-Package (Wohnung, Fahrer, Ayi, Auslandszuschlag) hierhergeschickt. Der Rest lässt sich am ehesten mit dem Begriff “moderner Glücksritter” beschreiben: Englischlehrer mit Alkoholproblemen, Musiker, die sich von Gig zu Gig hangeln, Kleinunternehmer mit waghalsigen Geschäftsideen, freie Journalisten (äh ja…), Plakat-Künstler und Zauberer. Sie alle sind zwischen 20 und 40 Jahren alt.

In Shanghai leben zwar 20 Millionen Menschen, das Leben der Laowais aber ähnelt dem in einer Kleinstadt. Ihr, also auch unser, Leben hat folgende Gemeinsamkeiten:

- Sie kaufen bei der Avocado-Lady ein. Die Avocado-Lady ist eine schlaue Chinesin, die sich auf westliche Bio-Produkte spezialisiert hat.

- Sie sprechen kaum bis gar nicht Chinesisch (haben aber eine chinesische Freundin, die für sie übersetzt).

- Sie haben eine Ayi, eine chinesische Zugehfrau (kostet zwei Euro die Stunde).

- Sie wohnen in der französischen Konzession - auf keinen Fall in Pudong, dem modernen Stadtteil - ist viel zu weit weg!

- Sie feiern am Wochenende in einem der wenigen alternativen Clubs (Shelter oder Logo). - Sie haben hochtrabende Pläne.

- Sie schimpfen über Shanghai und/oder über andere Laowais.

Beim Durchlesen ist mir aufgefallen: Alle diese Punkte treffen auf mich zu. Positiv ausgedrückt: Ich bin also angekommen.

Diese Laowai-Parodie fasst die Klischees nochmals zusammen. Paul, der Mann mit dem Anzug, ist aus England, arbeitet als Journalist und schimpft sehr oft über Chinesen.

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Mein Chinesisch noch immer mies. Obwohl ich jeden Tag lerne, scheitere ich noch immer oft an den einfachsten Dingen des Lebens. Zum Beispiel, wenn ich nach Hause will und dem Taxifahrer meine Straße nenne. Sie heißt “Yongjia Lu”. Es bringt aber nichts, wenn ich “Yongjia Lu” sage. Ich muss “Yong Jiaaaa Lu” sagen, damit er es versteht 

Was ich kann: 

- Bier bestellen 

- Schweineschulter für Schweinsbraten kaufen 

- nach einem Aschenbecher fragen 

- eine Zeitung kaufen 

- sagen, dass ich aus Deutschland bin und schlecht Chinesisch spreche 

Was ich nicht kann: 

- eine Unterhaltung führen, die über einfache Alltagsbelange hinausgeht 

- verstehen, was die Ansagen in der U-Bahn bedeuten. 

Auf diese folgt zwar am Ende eine englische Übersetzung, doch auch, wenn die Sprechgeschwindigkeit des Chinesischen 20 Prozent des Englischen betragen würde - was nicht der Fall ist - lässt mich der Verdacht nicht los, dass mir hier eine ganze Menge an Informationen verborgen bleibt. (Bitte oben auf das Soundcloud-Plugin klicken).

Und überhaupt zum öffentlichen Nahverkehr: Er funktioniert sehr gut. Die U-Bahnen sind pünktlich, sauber und voller schlecht gelaunter Leute - wie daheim. Nur: Das Prinzip “Erst die Leute aussteigen lassen, dann einsteigen” ist hier völlig unbekannt. Man versucht stattdessen unter Einsatz seiner gesamten Kraft seinen Körper in die U-Bahn hineinzuwuchten. Die, die rauswollen, versuchen das gleiche, bloß halt in die Gegenrichtung…

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Wir waren heute im Carrefour, um einen Schweinsbraten zu kaufen. Die französische Supermarktkette ist sehr beliebt in China. Es gibt dort alles: Schwertfisch, Bier, geräucherte Schweinsköpfe, Putzmittel, Kaugummi, deutsche Milch, irischen Cheddar.

Prinzipiell würde es Spaß machen, dort einzukaufen. Wenn dort keine Chinesen wären.

Im Carrefour war Krieg. Alle 30 Sekunden rammte mich ein Einkaufswagen. Kein Wort, geschweige denn eine Bitte um Entschuldigung, nicht mal ein Blick. An der Fleischtheke begutachteten ein Dutzend Chinesen das Fleisch. Sie hoben das Fleisch in die Höhe, diskutierten kurz darüber, warfen es dann auf einen Haufen. Anschließend gingen sie zum Obst und prüften es auf dieselbe Weise.

Alle paar Meter plärrte eine junge Chinesin in ihr Mikrofon, um Milch, Zwiebeln oder Waschmittel anzupreisen. Dazwischen piepte irgendwas oder es dudelte ein chinesisches Kinderlied.

Wie das klingt, kann man hören, wenn man links oben auf den Lautsprecher klickt.

Als wir den Carrefour nach zwei Stunden verließen, regnete es in Strömen. Wir suchten nach einem Taxi. Nach 15 Minuten waren wir komplett durchnässt. Schließlich hielt ein Taxi. Als Xifan sich reinsetzen wollte, kam eine Chinesin angerannt, sprang ins Taxi und winkte ihrer sechsköpfigen Sippe, die sofort alle Plätze besetzte. Als Xifan protestierte, spuckte ihr die Frau ins Gesicht.

Es war wie im Krieg.

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Der Abgang eines Freundes

Ein kleiner Nachtrag zum Post von letzter Woche “Zeitungen in China”hina

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Wie Lazar den ersten bulgarischen Kungfu-Film nach China bringen wollte

Die Geschichte des Films “The Legend of the White Master”

“Was wäre wenn?”, fragt Lazar Lyutakov das Publikum im Duanjun Theater von Shanghai. Zur Premiere des ersten bulgarischen Kungfu-Films sind etwa 30 Leute gekommen. 20 Laowei-Hipster aus Frankreich, Deutschland und Italien, und ein Dutzend Chinesen, die meisten Filmstudenten.

Was wäre, wenn der Film berühmt wird, tausende und abertausende Raubkopien, verpackt in Plastikhüllen verkauft würden? Was wäre, wenn die bulgarischen Kungfu-Kämpfer berühmt würden in China?

In China wird schließlich mit allem möglichen irgendwie Geld verdient. Und wenn nur 0,01 Prozent der Chinesen den Film nicht schlecht finden, wären das schon über 100000 Leute. Eine DVD kostet zehn Kuai, ein bisschen mehr als ein Euro. Wenn 100000 Chinesen den Film kaufen, würde der Film 100000 Euro einspielen - bei null Produktionskosten. Was also wäre, wenn “The Legend of the White Master” ein Riesenerfolg wird?

Dass das passiert, ist allerdings extrem unwahrscheinlich, weil “The Legend of the White Master” ein B-Movie, oder besser ein C- oder D-Movie ist. Den Film haben 2006 ein paar bulgarische Kungfu-Freaks mit einer VHS-Kamera gedreht.

Lazar hat wochenlang versucht, in Shanghai Sponsoren für das Projekt zu finden. Eine Professorin von der Filmhochschule war zunächst begeistert und hat ihm Unterstützung zugesichert. “Aber dann hat sie plötzlich doch abgesagt”, sagt Lazar und zeigt eine SMS, in der steht: “Sorry, my boss saw the movie and he thinks it is totally crazy. He has no sense for art.”

Lazar hat dann das bulgarische Generalkonsulat um Hilfe gebeten. Die Generalkonsulin hat ihre Hilfe zugesichert. Leider aber hat das Konsulat überhaupt kein Geld. Alles, was sie ihm geben könnte, sei eine Flasche bulgarischen Rotweins. Lazar hat die Konsulin um bulgarische Fahnen gebeten, vielleicht auch ein paar Plastikbecher und Teller, um die Gäste zu verköstigen.

Lazar und die bulgarische Generalkonsulin

Als Lazar am Tag der Premiere gegen Nachmittag den Empfangsraum betritt, haben Mitarbeiter des Konsulats überall Poster aufgehängt, die die Wirtschaft und Landschaft des Landes bewerben. Auf dem Tisch stehen neben einer Cidre-Flasche, die man von weitem für Champagner halten könnte, bulgarische Flaggen.

Chinesischer Cidre

Die Generalkonsulin lässt sich von Menschen fotografieren, die man für ausländische Presse halten könnte. Dann sammeln ihre Mitarbeiter die Flaggen wieder ein. Die Delegation setzt sich in einen schwarzen Audi und braust davon.

Kurz darauf beginnt der Film.

Es geht um einen Kungfu-Schüler, der den White Master namens Shin Po Cheng sucht, den besten Kungfu-Kämpfer aller Zeiten. Zunächst aber trifft er auf den Black Master, der auch ein guter Kämpfer ist, aber Alkoholiker. Später verlässt der Schüler den Black Master, um sich vom White Master trainieren zu lassen. Daraufhin beschließt der Black Master, den White Master zu töten. Es gibt einen Endkampf, in den auch die unbesiegbaren Udan-Schwestern eingreifen und Shin Po Cheng, dem White Master, zum Sieg verhelfen. Die ersten 15 Minuten zeigen nichts außer bulgarischen Bäumen und einen mickrigen Wasserfall.

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Danach verlassen die ersten Chinesen den Saal. Die Europäer trinken noch mehr Cidre, um sich aufzuwärmen.

Nach der Vorführung treffe ich Elio, 23 auf dem Klo, und frage ihn, wie ihm der Film gefallen hat. “Es war echtes Kungfu”, sagt er. Chinesen sind sehr zurückhaltend, was Kritik betrifft. Auf die Frage, ob ihm der Film gefallen habe, grinst Elio nur und geht.

Zwei Filmstudentinnen fanden “The Legend of the White Master” immerhin lustig.

Lazar kennt die Macher des Films nicht. Sie wissen auch nicht, dass er gerade versucht, sie in China berühmt zu machen. Ein Freund von ihm, der einen der Schauspieler kennt, hat ihm vor zwei Jahren davon erzählt. “Aber was wäre, wenn sie eines Tages erfahren, dass sie in China Superstars sind?”

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Herr Ma und Frau Vagina

Ich habe jetzt einen chinesischen Namen: Feilipu Ma.

So sieht das aus:

für Philipp

und

für Ma.

Würde man das ins Deutsche zurückübersetzen, würde das soviel bedeuten wie “bisschen scharfes Pferd”. Hm… Immerhin, finde ich, klingt “Herr Ma” sehr gut!

Und außerdem: “Unsere Namen bedeuten einen Scheiß” (Butch zu Esmeralda in “Pulp Fiction”). Chinesen halten sich ebenso hartnäckig an dieses westliche Prinzip. Fast alle jungen Chinesen geben sich westliche Namen, die so ähnlich klingen wie ihre chinesischen.

Sie scheinen dabei eine ähnliche Vorliebe zu haben, wie Ostdeutsche in den Achtzigern: Aus “Ma Ling” wird “Madeleine”, aus “Lulu” wird “Louisan”, aus Jie Song wird “Jason”.

Eine Freundin von uns, die in Deutschland aufgewachsen ist, und trotzdem oder gerade deswegen ihren chinesischen Namen behalten hat - sie heißt Guanan - erzählte letztens von einem chinesischen Mädchen, deren Name “Vagina” lautet. Sie fragte: Bist du sicher Vagina (Wadscheina)? Nicht vielleicht Virginia?” Sie antwortete: Nein, ganz sicher. Ich heiße Vagina.

Und ich Herr Ma.

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1,3 Milliarden können nicht irren - Zeitungen in China

1,3 Milliarden Menschen zu regieren, ist kein leichter Job. Korruption, Menschenrechtsverletzungen, Willkür, Zensur und fehlende demokratische Partizipation - mal kurz Schwamm drüber, ja? Die kommunistische Partei Chinas hat es einfach nicht so leicht wie, sagen wir mal, die Regierung von Dänemark. Und abgesehen von diesen lästigen Gutmenschen-Kritikern macht sie doch einen großartigen Job! Die Wirtschaft wächst, Millionen von Menschen wurden aus der Armut geführt. Das muss der Partei erstmal jemand nachmachen.

Und überhaupt, Menschenrechte und der ganze Kram, kommen aus dem Westen und sind gar nicht chinesisch. China, bzw. die KP Chinas, hat eine eigene Sicht auf die Welt. Um diese Perspektive auch westlichen Besuchern besser zu vermitteln, gibt es englischsprachige Zeitungen. Sie werden eigens für Laoweis (“Ausländer”) produziert. Dazu gehören: Die Global Times, die Shanghai Daily und die China Daily.

Die verkaufte Auflage der GT liegt angeblich bei 100000, von denen ein Großteil wahrscheinlich auf Flügen ausgeben wird. In Shanghai eine englische “Huan Qiu Shi Bao” zu kriegen, ist nämlich nicht einfach. Die meisten Zeitenkioske haben sie nicht.

Letztes Jahr war ich mit einem Stipendium (www.medienbotschafter.de) der Robert-Bosch-Stiftung in China. Teil des Programms war ein zweimonatiges Redaktionspraktikum bei der Global Times in Shanghai. Ich glaube, man kann zurecht einmal kritisch fragen, warum deutsches Geld dafür ausgegeben wird, dass deutsche Journalisten umsonst bei einer chinesischen Staatszeitung arbeiten. Trotzdem war es für mich persönlich eine sehr interessante Erfahrung.

Etwa ein Drittel der vielleicht 40 Journalisten waren Laoweis. Sie kamen aus England, Australien, den USA und Kanada. Keiner von ihnen war ein ausgebildeter Journalist. Die meisten waren Ende 20 und es hatte sie irgendwie nach Shanghai verschlagen. Mindestens einer von ihnen trank zu viel, fast alle hatten schon einmal einen Hong Bao, einen roten Umschlag mit Geld, angenommen, um anschließend positiver zu berichten. Fast alle schimpften über ihren Chef, eine ebenso kompetente wie gutaussehende Chinesin Mitte 30. Alles war also fast genauso wie bei einer deutschen Tageszeitung.

Die anderen zwei Drittel waren Chinesen. Die meisten von ihnen hatten gerade ihr Journalismus-Studium beendet (zu dem ein mehrwöchiger Kurs über Journalismus und Marxismus gehört), und hatten so gut wie keine Praxiserfahrung. Manchmal kam es in den Konferenzen zu merkwürdigen Szenen:

Ling schlägt vor: “Ich könnte ein Follow-Up zu der Messerstecherei an der Schule von vormachen.

Chefin: “Gibt es denn etwas Neues?”

Ling: “Äh, nein.”

Chefin: “Warum sollten wir dann ein Follow-Up machen?”

Ling: “Der Täter ist 22.”

Chefin: “Und?”

Ling: “Dass er 22 ist, haben wir, glaube ich, noch gar nicht geschrieben.”

Yue (lispelt): “In Yunnan gibt es jetzt eine Bettfloh-Plage.”

Chefin: “Wir arbeiten aber in der Lokal-Ausgabe von Shanghai. Yunnan ist 1500 Kilometer von uns entfernt.”

Yue (lispelt noch mehr): “Hm, ich dachte, vielleicht kann man ja fragen, ob die Bettfloh-Plage auch nach Shanghai kommt.”

Es ist natürlich ein bisschen gemein, sich über die Konferenzen lustig zu machen. Trotz all dieser Schwierigkeiten nämlich waren die meisten Mitarbeiter hoch motiviert (zumindest anfangs) - und am Ende erschien eine wirklich gute, und gar nicht so unkritische Tageszeitung, die es durchaus mit westlichen Konkurrenzblättern aufnehmen kann - und in der Meinung und Nachricht streng voneinander getrennt sind.

Aber….

Aber, die KPCh ist nicht blöd. Ziel ist es wohl, ein Blatt zu machen, dass zunächst einmal dem Propaganda-Klischee der meisten Westler widerspricht. Wer die Zeitung zum ersten Mal aufschlägt, denkt wahrscheinlich: Die Global Times ist eine gute gemachte Zeitung, und dass hier nichts Kritisches veröffentlicht wird, stimmt gar nicht. Die Chinesen, die haben halt einfach eine andere Meinung zu Menschenrechten und Geopolitik. Das muss man erstmal so stehen lassen.

Wer sich näher über die Meinung “der Chinesen”, oder besser gesagt der KPCh informieren möchte, liest am besten die Meinungsseite. Die kommt nämlich direkt vom Propaganda-Ministerium. Meistens wird darin gegen die USA, den Westen im Allgemeinen und die bösen aggressiven Nachbarn wie Vietnam und Japan gehetzt.

Zur Zeit geht es um die Unruhen in Russland. Am 5.Dezember stand dort:

“The Russians certainly want democracy. Otherwise, we wouldn’t find them voting in a Western-style election with a multi-party system and undergoing the privatization of their media groups. The former communist state has at least adopted the form of a democratic system.”

und weiter

“The West should give some applause to the Russians. However, since the collapse of the Soviet Union, the West has become increasingly stingy in offering cheers to their former enemies.”

Ein Hoch auf Putin und die große russische Demokratie!

Als ich dort arbeitete, wurde gerade der Friedensnobelpreis an den Dissidenten Liu Xiaobo vergeben. Während alle westlichen Medien voll davon waren, schwieg die Global Times das Thema die ersten zwei Tage tot. Dann folgte ein Kommentar, in dem stand:

“A survey done by the Global Poll Center over the weekend indicated that the majority of Chinese citizens are against the decision to award the Nobel Peace Prize to Liu Xiaobo. It is hoped the Nobel committee will reflect on their poor choice and apologize to the Chinese public.

The Nobel committee has no reason to believe their political judgment is better than that of 1.3 billion people. The West has no authority to overrule Chinese people’s values and judgment.”

1,3 Milliarden Chinesen können nicht irren…



Zensiert wurde ich während meines Praktikums übrigens nicht. Man übernimmt das nach einiger Zeit selbst. Das ist auch für die Zensoren praktischer, so haben die weniger Arbeit. Ich schlug eine Geschichte vor über eine NGO, die sich um Kinder von zu Tode Verurteilten kümmert. Meistens sind es arme Bauersfrauen, die jahrelang von ihrem Mann misshandelt wurden, und irgendwann keinen anderen Ausweg mehr sahen, als den Mann zu ermorden. Sie wurden natürlich erwischt und zum Tode (früher Erschießen, mittlerweile hauptsächlich Gift) verurteilt. Die Kinder landen auf der Straße, da die Verwandten oft nichts mit Kindern von Straftätern zu tun haben wollen. Bei der NGO “Morning Tears” erhalten sie ein Bett, Verpflegung, psychologische Betreuung und eine Schulausbildung.

Als ich dort war, sagte mir der Leiter des Projekts, ein Belgier: Bitte schreib nichts über Todesstrafe, das gibt Ärger.

Mein Editor, ein Australier, sagte: Das mit der Todesstrafe müssen wir rausnehmen, das mag die Chefin nicht.

Die Chefredakteurin sagte: Den Absatz über die Todesstrafe muss raus, das gibt sonst Ärger aus Peking.

Der Text erschien so in der Global Times und so in der Süddeutschen Zeitung.

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Hunde in China

Chinesen essen Hunde. Aber nicht alle.  Angeblich sollen die Kantonesen, die Südchinesen, am schlimmsten sein, was die Verwertung von essbaren Tieren betrifft. So sollen Kantonesen nachts durch andere chinesische Städte fahren, um Straßenköter einzusammeln. Manchmal erwischt es dabei auch das eine oder andere Haustier, weshalb manche Shanghainesen sehr schlecht auf Kantonesen zu sprechen sind.

Da ganz langsam in China eine Mittelschicht entsteht, wird Hundehaltung immer populärer. Shanghainesen jedenfalls scheinen Hunde sehr gern zu mögen. Vor allem Pudel und ähnliches Kleinvieh. Die Hunde werden behandelt wie kleine Menschen: Sie kriegen Pfotenschuhe, Jacken im Winter, und dürfen auf Motorrädern mitfahren. Und sie dürfen in einen Hundesalon (Foto oben).

Immer wieder gibt es Versuche, Hundeessen unter Strafe zu stellen. Letztes Jahr wurde ein Gesetzesentwurf eingebracht, nachdem das Essen von Hundefleisch mit 15 Tagen Gefängnis bestraft wird.

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Panda Hugger vs. Dragon Slayer

„Panda-Hugger“ heißen die Leute, die angeblich zu positiv gegenüber China eingestellt sind. Die ständig vom Wirtschaftswachstum schwärmen, von neuen Hochgeschwindigkeitszügen und Superlativen, dabei sich aber wenig um die Verletzung der Menschenrechte und die autokratische Führung der kommunistischen Partei kümmern.

Jetzt ist eine Biografie des legendären Führers Deng Xiaoping erschienen. Deng war der, der Anfang der Achtziger Jahre in Shenzhen ein marktwirtschaftliches Experiment wagte, das den Aufstieg Chinas begründete. Deng so sagen nicht nur die Panda-Hugger war es, der China aus der Armut führte.

Ezra Vogel schildert diese faszinierende Persönlichkeit in dem Buch „Deng Xiaoping and the Transformation of China“.

 

Anders sieht Deng der chinesische Astrophysiker Fang Lizhi, der 1987 von der KP des Landes verwiesen wurde. In seinem Artikel „The Real Deng“ in der New York Times schreibt er:

„A sense of the “nonappearance of the expected” was my first impression of Ezra Vogel’s Deng Xiaoping and the Transformation of China. The term “human rights” does not appear in its index, and it turns out that this omission was not an oversight of the indexer. Systematic nonconsideration of human rights is one of the book’s features.“

Dann zerlegt er all das, was Panda-Hugger an China stets so bewundern in seine Einzelteile.

Die Modernisierung der Armee? Die Armee dient nicht dem Volk, sondern ist der Partei unterstellt. “When push comes to shove, as it did at Tiananmen in 1989, the PLA defends Party interests, not national interests.”

Der Zugang von Millionen Menschen zu Bildung? Notwendig, um den Staat zu moderniseren. „Deng saw education as a tool bag for his kind of modernization, not a broad social good.

Am interessantesten aber ist, was Fang über die wirtschaftliche Entwicklung Chinas schreibt:

„On a per capita basis, China’s GDP is still only a quarter of Taiwan’s, a fifth of South Korea’s, and a tenth of Japan’s. Moreover the engine of China’s growth remains, for the most part, low-end products produced by cheap labor, where China has a competitive advantage. In history China has had this kind of “superiority” before. In 1820, under the Qing dynasty, the GDP of China’s largely agricultural economy was six times that of industrialized England. But England had gunboats, and when the Opium Wars came, it had its way with China.“

Und weiter:

„Moreover, the claim that Deng “lifted” millions from poverty confuses the doer and the receiver of action. To the extent that economic “lifting” has happened in post-Mao times, it has been the menial labor of hundreds of millions of people—working without labor unions, or a free press, or a neutral judiciary, or protections like OSHA rules—that has done the heavy lifting.“

Das Gegenteil von Panda Huggern sind übrigens Dragon Slayer…

P.

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Sonnenbrillen für Chen Guangcheng

Der blinde Aktivist Chen Guancheng engagiert sich gegen Zwangssterilisierung und -abtreibungen. Vier Jahre lang saß er dafür in Haft. Seit Ende 2010 ist er offiziell entlassen, Chen ist aber immer noch ein Gefangener: Er steht unter Hausarrest und hat keinen Kontakt mit der Außenwelt. Auf ichenguangcheng läuft nun seit zwei Wochen die Kampagne “Dark Glasses. Portrait” für die Freilassung von Chen. Jeder ist aufgerufen, ein Portrait von sich einzuschicken, mit Sonnenbrille oder Tuch um den Kopf gewickelt. Sieht gut aus und die Unterstützer von Chen können so anonym bleiben. Super Idee.

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Der Economist vergleicht die Entwicklung von China und Indien und zeigt auf, dass China in Sachen Lebenserwartung, Kindersterblichkeit und Alphabetisierungsgrad mehrere Jahrzehnte Entwicklungsvorsprung hat. Aufschlussreich in dem Kontext, dass in den Medien ständig ein Wettrennen zwischen den beiden Ländern heraufbeschworen wird, das so gar nicht existiert. 
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Der Economist vergleicht die Entwicklung von China und Indien und zeigt auf, dass China in Sachen Lebenserwartung, Kindersterblichkeit und Alphabetisierungsgrad mehrere Jahrzehnte Entwicklungsvorsprung hat. Aufschlussreich in dem Kontext, dass in den Medien ständig ein Wettrennen zwischen den beiden Ländern heraufbeschworen wird, das so gar nicht existiert. 

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